Der mit den Frauen

...ist auch so ein Ding. Viele Leute (Männer?) sind feinfühliger als sie das im täglichen Leben kommunizieren. Die Blogger-Comunity (hahaha) schafft dem Abhilfe: Als riesige Kontaktbörse dient sie den stilvollen Frauen dazu, die Typen zu finden, die zwar so männlich sind, dass sie in ihrem Umfeld ihre Feinfühligkeit nicht kommunizieren, und doch so offen, diesem Umstand anonym mittels eines Massenmediums gebührend Rechnung zu tragen. Macho auf der Strasse und Schmusekater zuhause.

Auf der anderen Seite (auf der Venus, sozusagen) scheint es populär, sich über Fehltritte der Ehemänner und Versagen der Lover lustig zu machen oder aber sich über die gemeine Männerwelt auszuweinen.

Was jedoch alle gerne tun: ihre eigenen Fehler zum Thema machen. Was man sonst nirgendwo tun kann, da dies (ausgenommen in Selbsthilfegruppen, stelle ich mir vor) überall eine gravierende Schwäche darstellt, wird im Leben als Blogger zur ultimativen Eintrittskarte in die Herzen diversen Lesern und Leserinnen. Nichts scheint so gut zu tun wie ein Kommentarschreiber, der weinend meint: "Ich kenne das, denn ich habe genau die gleiche Scheisse gebaut".

Ich warte, bis blogger.com ein T-Shirt rausbringt, auf dem steht: Blogger.com - I took the red pill.

Hallo Blogepidemie

Die allermeisten Beiträge des durchschnittlichen (schweizerischen?) Weblogs befassen sich mit Weblogs. Mit RSS Feeds. Mit Weblog-Autorensystemen. Mit Ideen für den täglichen Weblog-Eintrag. Mit Anerkennung, die Weblogs in Zeitung, Radio und Fernsehen finden. Mit der Bedeutung von Weblogs. Mit Web 2.0. Mit Spenden für den eigenen Weblog. Mit der Summe, welche bereits aus dem Google Advertisment resultiert ist. Mit Hinweisen wie: Auch mein Blog ist jetzt W3C XHTML 1.0-konform. Mit der Diskussion, ob nun Google-Video oder YouTube. Mit Trackbacks. Mit manuellen Trackbacks, weil Trackbacks gerade deaktiviert waren. Mit Stöcken, die man sich zuwirft, weil es aufregend ist, den dreiundzwanzisten Fragebogen mit immer noch skurileren Fragen oder Aufgaben ("schlag Seite 13 von dem Buch auf, welches du gerade liest, und schreib die ersten 5 Worte hin", worauf man möglich lässig sowas antworten sollte wie "ich lese gerade kein Buch" oder "mein Buch hat nur 12 Seiten") auszufüllen. Mit Podcasts. Damit, dass man auch einen Podcast gemacht hat. Mit Bloglesungen (am häufigsten, dass man eine veranstaltet, am zweithäufigsten, dass man bei einer mitmacht, und am dritthäufigsten, dass man eine besucht).

Wenn du einer/einer bist, für welche dies nicht zutrifft, hast du es entweder aufgegeben, jemandem, der mit "Diese Blogger, wie neuerdings in der NZZ zu lesen war, scheinen ja immer mehr zu sagen haben! Du hast doch auch einen Blog??" angerannt kommt, zu erklären, dass dir das so ziemlich egal ist, was die NZZ über Weblogs schreibt, hast deinem Bekanntenkreis erfolgreich verschwiegen, dass du online ein Tagebuch führst und kannst dir einen entsprechenden Kommentar jedesmal verkneifen bei diesem Thema, oder aber du du gehst sowieso nur selten raus, und die Leute, die du aus deinem Instant Messenger kennst und die deinen Weblog lesen, quatschen dich nicht dauernd voll, lesen, was du letztes Wochende so gemacht hast und sind wahrscheinlich sowieso angenehme Leute.

Nach meiner Behauptung im ersten Satz ist die Wahrscheinlichkeit, dass du nicht zu den komischen Nerds im zweiten Abschnitt gehörst (falls du denn einen Weblog hast), gross. Aus der einfachen Möglichkeit, eine spezielle Tagebuch online zu führen, ist eine verschworene, schnell wachsende Gesellschaft geworden, welche sich Aufgeschlossenheit auf die Fahne schreibt und sich geradezu elitär aufführt.

Kungfoo, mit welcher Begründung lästerst du über diese Weblog-Sachen? Du bist neidisch! Du bist egoistisch! Notorischer Nörgler! Warum lässt du uns nicht einfach? Lies es doch nicht, wenns dir nicht passt! Niemand zwingt dich, das zu lesen!

Na und? All diese Argumente liessen sich auch ganz einfach auf z.B. die netten schwarz uniformierten Leute ohne Haare übertragen. Was interessiert es mich, was die machen? Sollen sie doch ihre Parolen haben. Sollen sie sich doch treffen und ihre Musik hören. Oder anders gefragt: Welcher Metaller liebt Hiphopper? Welcher Rocker liebt Raver? Welche strikten Heteros mögen Schwule? Welche Bünzlischweizer mögen Ausländer? Welche linksgerichteten Schweizer liebt die US-Amerikaner? Tolleranz ist eine tolle Sache. Aber keiner werfe den ersten Stein.

Hello World

Kein weiterer Text, Welt.

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